Marcus Völkel, Gründer von QUALLEE und UX-Research-Experte seit 20 Jahren, erklärt, wie KI-gestützte Interviews qualitative Forschung demokratisieren. Das Tool senkt die Kosten von 12.500-20.000 Euro auf einen Bruchteil und ermöglicht parallel mehrere Zielgruppen zu befragen. Die Grenzen sind klar: KI automatisiert die Fleißarbeit, nicht die strategische Interpretation.
Marcus Völkel
Gründer von QUALLEE, Geschäftsleitung Customer Centricity/AI Transformation bei interactive tools
Marcus beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit User Research und Service Design. Er gründete eine der ersten User-Research-basierten Strategieberatungen in Deutschland. Seit 2014 berät er bei interactive tools große Unternehmen zu Customer Centricity und KI-Transformation. Vor dem Hintergrund seiner Erfahrungen entstand 2025 der QUALLEE KI-Interviewer.
LinkedInTeil 1: Die Vision
QUALLEE verspricht "Qualitativer Research in Stunden statt Wochen". Das klingt fast zu gut. Was ist der Haken?
Kein Haken, aber ein wichtiges Missverständnis, das ich ausräumen will: QUALLEE ersetzt nicht den Research – es demokratisiert ihn. Der Haken bei klassischem qualitativem Research war immer: Er ist so verdammt teuer und aufwändig, dass ihn sich nur große Unternehmen leisten. 12.500 bis 20.000 Euro für zehn Interviews. Das Ergebnis? Teams treffen Entscheidungen auf Basis von Annahmen statt auf Basis echter Nutzerstimmen. Das ist der eigentliche Skandal.
Du hast über 20 Jahre Research-Erfahrung. Hattest du keine Bedenken, deine eigene Expertise quasi zu automatisieren?
Ehrlich? Am Anfang schon. Aber dann hab ich verstanden: Ich automatisiere nicht die Expertise – ich automatisiere die Fleißarbeit. Rekrutierung, Terminkoordination, Transkription, das erste Clustering. Das hat mich früher Wochen gekostet. Die eigentliche Expertise – die strategische Interpretation, das "Was bedeutet das für unser Produkt?" – das bleibt beim Menschen. QUALLEE gibt mir Superkräfte, es ersetzt mich nicht.
Was automatisiert QUALLEE konkret?
- Rekrutierung und Terminkoordination
- Durchführung der Interviews in 5 Sprachen
- Automatische Transkription
- Erstes Clustering und Themenextraktion
- Export als PDF, Excel oder zur weiteren Analyse
Warum Claude Opus als Basis? Es gibt doch günstigere Modelle.
Weil ich keine oberflächlichen Antworten will. Ich habe mit vielen Modellen experimentiert. Claude versteht Kontext. Es stellt die richtigen Folgefragen. Wenn jemand sagt "Ja, das Tool ist okay", bohrt Claude nach: "Was genau macht es okay? Wann war ein Moment, wo es dich überrascht hat?" Das ist der Unterschied zwischen Meinungen sammeln und Motivationen verstehen.
Dein Claim ist "Dialog statt Annahmen". Aber ist ein KI-Interview wirklich ein Dialog?
Das ist die Frage, die mich nachts wach hält – im besten Sinne. Und meine Antwort ist: Ja, aber ein anderer. Menschen erzählen einer KI Dinge, die sie einem menschlichen Interviewer nicht erzählen würden. Keine Angst vor Bewertung, keine soziale Erwünschtheit. Wir haben O-Töne bekommen wie "Ich kann mich ganz öffnen, es ist anonym, ich hab keine Angst jemanden zu verletzen." Das ist eine andere Qualität von Ehrlichkeit.
Für wen ist QUALLEE nicht geeignet?
Für jeden, der glaubt, dass Research ein Häkchen auf einer Liste ist. "Wir haben Research gemacht" – das interessiert mich nicht. QUALLEE ist für Teams, die wirklich verstehen wollen, warum ihre Nutzer so handeln wie sie handeln. Und die bereit sind, ihre Annahmen über Bord zu werfen, wenn die Daten etwas anderes sagen.
Marcus ist überzeugt: Gute Produkte entstehen im Dialog mit echten Menschen.
Eine persönliche Frage: Was würde der Marcus von vor 20 Jahren, der seine erste Research-Agentur gegründet hat, zu QUALLEE sagen?
Er würde wahrscheinlich sagen: "Endlich. Endlich können wir aufhören, uns zwischen Tiefe und Reichweite entscheiden zu müssen. Und wir haben jetzt ein Tool, das Research dahin bringt, wo er vorher nicht möglich war, zum Beispiel aus Budget-, Zeit- oder Akzeptanzgründen." Vor 20 Jahren war qualitative Forschung handwerklich, intim, aber eben auch exklusiv. Mit QUALLEE können wir beides haben: Die Tiefe eines echten Gesprächs und die Skalierbarkeit digitaler Tools. Das ist keine Revolution – das ist Evolution. Die konsequente Weiterentwicklung dessen, woran ich immer geglaubt habe: Gute Produkte entstehen im Dialog mit echten Menschen.
Teil 2: Die Kritik
Dein eigener Blogartikel sagt: "KI fasst oberflächlich zusammen, ist zu positiv und versteht keine Körpersprache." Verkaufst du da nicht ein Produkt, das du selbst kritisierst?
Ha, du hast den Artikel gelesen! Ja, KI hat Grenzen, und wer die ignoriert, baut Mist. Aber QUALLEE ist nicht "KI ersetzt Research". QUALLEE ist "KI übernimmt die Fleißarbeit, damit Menschen die wichtigen Dinge tun können."
Das Ja-Sager-Problem? Existiert. Deshalb haben wir Prompting-Strategien entwickelt, die Claude dazu bringen, auch bei positiven Antworten nachzubohren. Die oberflächlichen Zusammenfassungen? Deshalb liefern wir keine Zusammenfassungen – wir liefern O-Töne, Zitate, die rohe Stimme des Nutzers. Der Researcher interpretiert.
Du sagst, qualitative Forschung kostet 12.500 bis 20.000 Euro. Aber du bietest einen Starter-Plan für 149 Euro im Monat an. Wie kann das dieselbe Qualität sein?
Ist es doch nicht. Und ich würde nie behaupten, dass es das ist. Was ich behaupte: Für viele Teams ist die Alternative zu QUALLEE nicht "20.000-Euro-Studie" – die Alternative ist "gar keine Forschung". Oder drei Interviews, die nicht aussagekräftig sind. Oder eine Umfrage, die das "Warum" nicht erfasst.
Für viele Teams ist die Alternative zu QUALLEE nicht "20.000-Euro-Studie" – die Alternative ist "gar keine Forschung".
QUALLEE demokratisiert den Zugang. Ein Startup kann sich keine Research-Agentur leisten. Aber es kann 30 KI-Interviews durchführen und echte Muster erkennen. Das ist nicht perfekt – aber es ist unendlich besser als Annahmen.
Dein Artikel erwähnt das "Ja-Sager-Problem": KI-generierte synthetische Nutzer loben alles. Woher weißt du, dass dein AI Researcher nicht dasselbe tut: den Teilnehmern nach dem Mund reden?
Weil wir keine synthetischen Nutzer befragen. Wir befragen echte Menschen. Der Ja-Sager-Effekt bei synthetischen Personas entsteht, weil KI auf positiven Trainingsdaten basiert. Echte Menschen haben keine Trainingsdaten. Sie haben Frustration, Workarounds, unerfüllte Bedürfnisse.
Die Kunst ist, diese rauszukitzeln. Und da hilft paradoxerweise die Anonymität des KI-Interviews: Menschen erzählen einer KI Dinge, die sie einem menschlichen Interviewer nicht sagen würden. Weniger soziale Erwünschtheit, mehr Ehrlichkeit.
Teil 3: Die Realität
Du listest Milliarden-Dollar-Fails auf, die qualitative Forschung hätte verhindern können. Aber all diese Unternehmen hatten Research-Teams. Was macht dich so sicher, dass QUALLEE-Nutzer nicht dieselben Fehler machen?
Gar nichts. Und das ist wichtig zu verstehen: QUALLEE ist ein Werkzeug, kein Orakel. Wenn ein Team die Insights ignoriert, weil sie nicht zur Roadmap passen, kann ich nichts dagegen tun.
Was ich tun kann: Die Hürde senken, überhaupt Insights zu generieren. Bei Windows 8 war das Problem nicht "zu wenig Research", sondern dass die Power-User nicht in den Samples waren. Weil traditioneller Research teuer ist und du dich für eine Zielgruppe entscheiden musst.
Mit QUALLEE kannst du parallel drei, vier, fünf Segmente befragen. Gelegenheitsnutzer UND Power-User UND Switcher UND Neukunden UND Mitarbeiter. Das ändert nicht die menschliche Neigung, unbequeme Wahrheiten zu ignorieren. Aber es erhöht die Chance, dass sie überhaupt ans Licht kommen.
Letzte Frage: Wenn KI-gestützte Interviews so gut sind: Warum bietest du dann auch "begleitete Projekte" an? Traust du deinem eigenen Tool nicht?
Im Gegenteil! Ich vertraue meinem Tool so sehr, dass ich weiß, wo seine Grenzen sind. Manche Forschungsfragen sind komplex. Manchmal brauchst du jemanden, der 20 Jahre Erfahrung hat, um die richtigen Fragen zu stellen. Manchmal ist der Stakeholder-Workshop wichtiger als die Daten.
Und ehrlich gesagt: Die besten Insights entstehen oft hybrid. KI für Volumen und Geschwindigkeit, menschliche Expertise für Tiefe und Strategie. Das ist kein Widerspruch für mich. Eigentlich ist es das Beste aus beiden Welten.
Die wichtigsten Zahlen
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Kostenersparnis vs. traditioneller Research | 70-80% |
| Übereinstimmung KI vs. menschliche Analysten | 81% |
| Traditionelle Studienkosten | 12.500-20.000 € |
| Zeit für menschliche Analyse pro Interview | 2-3 Stunden |
| Zeit für KI-Analyse pro Interview | Minuten |
| Unterstützte Sprachen | 5 (DE, EN, FR, ES, IT) |
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Neugierig geworden? Erlebe selbst, wie sich ein KI-geführtes Interview anfühlt. In unserem aktuellen Forschungsprojekt untersuchen wir, wie Menschen im Alltag mit KI interagieren.
Häufig gestellte Fragen
Was ist QUALLEE und wie funktioniert es?
QUALLEE ist ein KI-gestütztes Tool für qualitative Nutzerforschung. Es führt automatisierte Tiefeninterviews durch, die sich wie echte Gespräche anfühlen. Die KI stellt adaptive Folgefragen basierend auf den Antworten und extrahiert automatisch Themen und Muster aus den Gesprächen.
Ersetzt QUALLEE menschliche UX Researcher?
Nein. QUALLEE automatisiert die Fleißarbeit (Rekrutierung, Terminkoordination, Transkription, erstes Clustering), aber die strategische Interpretation bleibt beim Menschen. Die besten Ergebnisse entstehen hybrid: KI für Volumen und Geschwindigkeit, menschliche Expertise für Tiefe und Strategie.
Wie genau ist die KI-Analyse im Vergleich zu menschlichen Analysten?
Studien wie die British Election Study zeigen 81% Übereinstimmung zwischen KI und menschlichen Analysten.
Was kostet qualitative Forschung mit QUALLEE vs. traditionell?
Traditionelle qualitative Forschung kostet 12.500-20.000 Euro für zehn Interviews. QUALLEE senkt diese Kosten um 70-80%, ohne auf die Tiefe echter Gespräche zu verzichten. Für viele Teams ist die Alternative zu QUALLEE nicht die teure Agentur, sondern gar keine Forschung.
Warum erzählen Menschen einer KI mehr als einem menschlichen Interviewer?
Die Anonymität des KI-Interviews reduziert soziale Erwünschtheit. Menschen haben keine Angst vor Bewertung oder davor, jemanden zu verletzen. Nutzer berichten: "Ich kann mich ganz öffnen, es ist anonym." Das führt zu ehrlicheren Antworten über Frustrationen und unerfüllte Bedürfnisse.
Das Interview wurde auf Deutsch geführt und maschinell mit DeepL in andere Sprachen übersetzt.


